Titel: Innenraum mit Küste
96 × 50 cm | Filz, Rohwolle, Muschel | 2025
Ein langgestrecktes, horizontales Format, das zwei Räume ineinander überführt: Meer und Innenraum. Links ein Küstenstreifen, dessen Wellen in geschichteten Blau- und Türkistönen rhythmisch aufeinander folgen. Die Kämme der Wellen sind aus lockeren Wollfasern gelegt, die wie Gischt aufbrechen. Das Meer steht nicht still; es trägt Bewegung und Atem.
Von dort gleitet das Bild in einen offenen Interieur Raum. Ein Kamin bildet eine zentrale vertikale Achse. Seine Form ist kantig gefasst, mit warmen Braun- und Ockertönen, die einen Gegenpol zur kühlen Weite des Meeres setzen. Der Übergang zwischen beiden Zonen ist weich. Es gibt keine harte Grenze. Der Horizont wandert.
Im Vordergrund sitzt eine Figur. Sie ist stilisiert, in klare Farbflächen zerlegt, das Gesicht in wenigen Linien angedeutet. Die Haltung ist konzentriert, der Körper in warmem Orange gehalten. Vor ihr auf dem Tisch liegen Wollknäuel, Kreise intensiver Farbe, die als Farbakzente in der Komposition stehen. Die Hände greifen in eine helle, längliche Form, die ein Werk im Entstehen markiert. Handlung ist sichtbar.
Die rechte Zone zeigt eine Wandfläche in hellem Violett. Darauf hängen mehrere kleinformatige, kubistisch fragmentierte Farbkompositionen. Davor stehen schemenhafte Silhouetten. Sie bleiben anonym. Sie sind Betrachtende, Zeugen, Publikum.
Das Werk zeigt keinen Gegensatz zwischen Innen und Außen. Beide Räume durchdringen einander. Meer und Wohnraum bilden eine gemeinsame Fläche, in der Landschaft und Atelier ein Kontinuum sind.
Der Titel verweist nicht auf Sehnsucht, sondern auf eine simultane Wahrnehmung: Raum ist hier Zustand.